75 Jahre RS Bassum

Inhalt

Zeittafel

1924 - Der Anfang
1933 - Schwere Zeit
1939 - Krieg - Zerstörung
1945 - Nicht nur die 
Stunde Null
1954 - Klare Verhältnisse
1958 - Umzug in ein eigenes Gebäude
1964 - Umbenennung
 1978 - Umzug in das 
neue Schulzentrum
1992 - Ein neuer Schulträger
Festschrift - Download
1933 Beginn einer schweren Zeit

 

Es war zwar das Ziel der Nationalsozialisten, das Schulwesen in ihrem Sinne zu instrumentalisieren; doch gelang das nicht immer. Unterricht und Schule konnten nach Einstellung einzelner Lehrer, der Zusammensetzung des Lehrerkollegiums, der Bedeutung konfessioneller Bindungen und lokaler Tradition durchaus eine unterschiedliche Gestalt annehmen. 

In der Mittelschule Bassum scheint man auch in der Zeit der NS-Herrschaft das Prinzip eines wissenschaftsorientierten Unterrichts weiter verfolgt zu haben und sich darum bemüht zu haben, die Politik vor der Schultür zu lassen. 

Das mag mit der hohen Qualifikation der Lehrer an dieser Schule zusammenhängen. Ein sehr beliebter Chemielehrer etwa war promoviert und hatte vor seinem Eintritt in den Schuldienst an geologischen Forschungsvorhaben im Iran und in den USA teilgenommen. Ein Neusprachler hatte ebenfalls den Dr.-Titel erworben. 

Vom stellvertretenden Schulleiter wird berichtet, dass er eine Schülerin, die einen BDJ-Termin an die Tafel geschrieben hatte, darauf hinwies, das gehöre nicht in die Schule. 

Natürlich musste die Mittelschule sich an den diversen von den Nationalsozialisten angeordneten Aktivitäten beteiligen. Nie zuvor - so wird heute hervorgehoben - habe es an den Schulen so viele Feste, Feiern (bis hin zum Tag der deutschen Hausmusik), Fahnenappelle, Weihestunden und sonstige Anlässe für Unterrichtsausfall gegeben wie im Dritten Reich. Die Teilnahme daran haben viele Bassumer Schüler als "lästige Pflicht" empfunden. 

Und im Rahmen einer solchen Aktivität kam es zu einem Vorfall, der fast als Widerstand zu interpretieren ist. Im Zusammenhang mit den Aktivitäten anlässlich des “Festes der Jugend” wurde ein Mittelschullehrer am 27. Juni 1933 in Schutzhaft genommen und einen Tag später wieder entlassen, da er – als Führer der Scharnhorstjugend – das Singen des Horst-Wessel-Liedes verboten hatte. Der Kollege wurde daraufhin dienstlich besichtigt und prompt zum 1. Januar 1934 an die Volksschule Miesburg versetzt. Nach dreieinhalb Jahren, am 1.10.1937, schied dieser 41-jährige Kollege dann übrigens nach unseren Ermittlungen endgültig aus dem Schuldienst aus. Die Gründe für diesen Schritt sind unbekannt. Die Zivilcourage des Mittelschullehrers weist auf eine Distanzierung zur offiziellen Erziehungspolitik hin.